4/2017

Mehr als reden – es braucht Freude

Agile Unternehmensführung lautet die Lösung für Unternehmenslenker der heutigen Zeit. Gemeint sind Antworten auf die zunehmende Veränderungsdynamik, die den Organisationen ein hohes, manchmal bis an die Schmerzgrenze reichendes Mass an Flexibilität abverlangt. Agile Unternehmen brauchen Menschen, die die Grundregeln guter Kommunikation beherrschen. Und es braucht noch mehr: Menschen, die Freude an der Kommunikation haben.

Der Begriff der Organisation oder des Unternehmens täuscht allzu leicht über die Pluralität hinweg, die sich in ihm verbirgt. Wenn wir vermeintlich von einer Einheit sprechen, so sind es tatsächlich Hunderte und möglicherweise mehr von Individuen, die in ihrer Einzigartigkeit und Komplexität auf eine gemeinsame Richtung eingeschworen werden sollen.

Bildlich gesprochen lebt jede Persönlichkeit in ihrer eigenen Erfahrungs- und Wahrnehmungsinsel, die ihr Verhalten und ihre Entscheidungen prägt. Führungskräfte haben die Aufgabe, dieses Meer von kleinen Inseln zu einer Mega-Insel zu vereinen. Wie soll das gehen? Durch einen kontinuierlichen Prozess des Austauschs. Denn die Inseln verbinden sich nicht über ihre Unterschiede, sondern über ihre Gemeinsamkeiten.

Der Dialog ist demnach nichts anderes als ein ständiges Abtasten nach Werten, Zielen, Erfahrungen und Bedürfnissen, die verbinden. Der Dialog regt zudem einen Bewusstseinsprozess an. Er sät Samen, die sich unter sorgsamer Pflege entfalten und zu Parallelen zwischen den Inseln beitragen.

Im Innen formen

Führungskommunikation basiert auf Information, Relevanz, Respekt und Klarheit. Der Rhetoriker und Speaker René Borbonus drückt es folgendermassen aus: «Das Wort Informieren setzt sich zusammen aus innen und formen, anders ausgedrückt: im Innen formen.» Klarheit beginnt immer mit der eigenen Klarheit. Ich kann nur Klarheit beim Gegenüber erwirken, wenn sie in mir bereits die freie Sicht gestattet. Relevanz erfordert Sensibilität für den anderen. Relevant ist für ihn, was sich mit seiner Erfahrungs- und Wahrnehmungsinsel überlappt. Und wer Respekt für sich selbst einfordert, ist gefordert, ihn ebenfalls im Austausch mit anderen zu wahren.

Ein Lob kann immense Energien freisetzen und über den einen oder anderen Misserfolg hinwegtragen.
Freude ist die Essenz

«Der einzige Weg, grossartige Arbeit zu leisten, ist zu lieben, was man tut», sagte Steve Jobs. Diese Botschaft kann im übertragenen Sinne bedeuten: Wer mit Überzeugungskraft führen will, braucht Freude an der Kommunikation, somit am Teilen und an der zwischenmenschlichen Verbindung. Oft wird besonders im unternehmerischen Umfeld unterschätzt, dass der Kunst der persönlichen Kommunikation ein Wissen zugrunde liegt, das uns nicht per se in die Wiege gelegt ist. Genauso wie in anderen Disziplinen geht es um Regeln, Methoden, Instrumente, die gelernt sein wollen. Je besser wir die Klaviatur der Kommunikation verinnerlicht haben, umso mehr erlaubt sie Erfolgserlebnisse und damit Freude am Austausch.

Barbara Zanzinger, Inhaberin Zanzinger Consulting
Freude beginnt mit einer Entscheidung

Wer mit Liebe und Freude einer Tätigkeit, beispielsweise einem Hobby nachgeht, schwebt nicht ununterbrochen im siebten Himmel. Es gibt Phasen der Lustlosigkeit, Momente der Niedergeschlagenheit. Erfolgsmomente bleiben vielleicht aus. Ausdauer, Zähigkeit und Disziplin sind gefordert, um nicht aufzugeben oder sich dem Reiz anderer Abwechslungen hinzugeben.

Vorbilder aus der Kunst, der Wirtschaft, Wissenschaft oder dem Sport zeigen uns, dass Meisterschaft Leidenschaft erfordert, doch gleichzeitig mit einer inneren, klaren Entscheidung, einem Commitment beginnt. In dem Moment, wo wir uns entscheiden, Kommunikation mit Engagement und Herzblut zu praktizieren, in dem Moment richten sich unsere Gedanken auf diese Aufgabe aus. Wir sind fokussiert und öffnen unsere Wahrnehmung für Ideen, Beobachtungen und Erlebnisse, die uns immer häufiger begegnen.

Sich anstecken lassen

Was ist erfrischender und ermutigender, als sich mit Gleichgesinnten zu umgeben? Wir sind in einer Welt, die wunderbare Möglichkeiten eröffnet, sich mit anderen Menschen zu umgeben und auszutauschen. Sie helfen, dem Thema eine Art der Normalität zu geben. Man ist nicht allein, sondern Teil einer grossen Community, in der die Liebe zur Kommunikationsexpertise zur Normalität wird. Zu empfehlen sind Rhetorikclubs, denen sich auch Unternehmen anschliessen können, und inspirierende Rednernächte. Es gibt ein breites Angebot an wertvollen Seminaren und nicht zuletzt guter Literatur. Neue Technologien erleichtern den Zugang zu Wissensdatenbanken und Netzwerken.

Sich selbst aufrichtig und wertschätzend anzuerkennen ist genauso wichtig wie die Anerkennung anderer.
Die Kraft von Gedanken und Körpersprache nutzen

Wie wir denken, so fühlen wir. Gedanken – in Form von inneren Bildern und Filmen – lösen in uns Gefühle aus und zeigen sich unvermittelt in unserer Körpersprache. Gefühle des Unmutes, der Unlust sind möglicherweise gekoppelt an frustrierende Erfahrungen aus der Vergangenheit, beispielsweise Gesprächen, die misslungen waren, in denen wir uns möglicherweise gedemütigt fühlten. Körperlich zeigen sich die Erfahrungen, zum Teil unbewusst, in Unsicherheiten und Verspannungen. Wir machen uns klein, immer bereit für den Rückzug. Unser Körperempfinden verstärkt unser Unwohlsein und nimmt Einfluss auf unsere Gedanken.

Wir können uns diesem Problemkreis allerdings entziehen. Wir können ganz bewusst auf unsere Gedanken einwirken, genauso wie auf unsere Körperhaltung. Ein aufgerichteter Rücken, eine aufrechte Kopfhaltung, eine entspannte Atmung erlauben bereits ein besseres Gefühl. Es bedarf etwas Übung und Vertrauen und ist doch sehr wirksam.

Ancilla Schmidhauser, Business Storyteller Trainerin und Gründerin von Impact Consulting.
Üben, üben, üben

Freude ist ein Ergebnis eines regelmässigen kontinuierlichen Praktizierens und des Willens, sich immer wieder mit Inspirationen und Erfolgserlebnissen anzufeuern. Die Anerkennung von Fortschritten ist in diesem Zusammenhang ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Er rückt in unserer von Schnelligkeit getriebenen Leistungswelt oftmals in den Hintergrund. Sich selbst aufrichtig und wertschätzend anzuerkennen, ist genauso wichtig wie die Anerkennung anderer. Ein Lob kann immense Energien freisetzen und über den einen oder anderen Misserfolg hinwegtragen. Übung und Wertschätzung lösen Freude aus, die beim Gegenüber ankommt.

Die Qualität der interpersonellen Kommunikation im unternehmerischen Umfeld sollte nicht dem Zufall überlassen sein. Sie entfaltet ihre Stärken, wenn ihre Klaviatur den Spielern vertraut ist. Eine Kommunikationskultur, die Können und Freude verbindet, entzündet ein Miteinander, das von mehr Klarheit, Verständnis und Respekt geprägt ist. Kommunikation ist die Grundlage einer Unternehmenskultur, die den anspruchsvollen Agilitätsherausforderungen begegnen will und kann.

  • Ancilla Schmidhauser Barbara Zanzinger
  • Text

Tags: Agilität, Kommunikation, WorkLifeBalance

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