1/2018

So nutzen Chefs das Potenzial der digitalen Nomaden

Zwei Träume gleichzeitig: ein cooler Job, der gut bezahlt ist, und ein Leben am Meer – digitale Nomaden leben ihren Traum und sind nach ihrer eigenen Einschätzung dabei sogar produktiver. Lohnt es sich für Unternehmen, mit digitalen Nomaden zusammenzuarbeiten? Roman Probst, Geschäftsleiter der MARKETING-PRobst GmbH, war früher selbst analoger Nomade und als Unternehmer später Vorgesetzter von 600 Freelancern.

Digitale Nomaden sind Unternehmer oder Arbeitnehmer, die ortsunabhängig für Kunden oder Arbeitgeber arbeiten und dabei digitale Technologien verwenden. Gemäss Lorenz Ramseyer, dem Präsidenten des Vereins Digitale Nomaden Schweiz, gibt es heute – vorsichtig geschätzt – etwa tausend digitale Nomaden mit Schweizer Pass.

Als Chef sollte ich eher einen Delegations- oder partizipativen Führungsstil haben, damit sich der Mitarbeiter voll entfalten kann.
Warum Nomade?

Legen die Jungen heute mehr Wert auf Erlebnis, Freiheit oder Individualität? Ich kann Ihnen dazu was erzählen: Als Hotelplan-Reiseleiter war ich während sieben Jahren selbst ein analoger Nomade. Ich liebte meinen Job, weil er mir ermöglichte, meine grosse Sehnsucht zu befriedigen, die Welt kennenzulernen und mit verschiedenen Menschen und Kulturen in Kontakt zu kommen. Ich hatte die Freiheit, zu leben, wie ich leben wollte.

Vorsichtig geschätzt gibt es heute etwa tausend digitale Nomaden mit Schweizer Pass.
Wie Unternehmer das Potenzial der Nomaden nutzen

Bis zum Verkauf meines Übersetzungsunternehmens profitierte ich von den digitalen Nomaden. Kam zum Beispiel ein Auftrag kurz vor Feierabend rein, konnte ihn ein Übersetzer in einer anderen Zeitzone erledigen. Mit dem starken Schweizer Franken ist das Lohnniveau höher – eine weitere wichtige Komponente. Der Mitarbeiter arbeitet reduziert und hat so mehr Zeit fürs Leben. Das Unternehmen dagegen spart Lohnkosten. Als Arbeitgeber habe ich es selbst erlebt, dass die meisten Mitarbeiter sehr dankbar sind für eine solche Chance und die Loyalität gegenüber dem Unternehmen wächst. Dies fördert unternehmerisches Denken, Pragmatismus und kreative Lösungsansätze der Mitarbeiter. Andererseits fördern Arbeitgeber mit digitalen Nomaden auch die Vielfalt und die Integration in ihrem Unternehmen, da das Verständnis für verschiedene Kulturen gepflegt wird.

Wie können Chefs die Arbeit der digitalen Nomaden beeinflussen?

Wie bei einem Flug sind vor allem der Start und die Landung wichtig: die Selektion des richtigen Mitarbeiters; vor dem Einsatz ein durchdachtes, strukturiertes Briefing oder ein Workshop mit Fallbeispielen zur Repetition, Rollenspiele, ein Führungskurs, Vertrauen und ein Abschluss mit einem klaren Debriefing.

Die meisten Mitarbeiter sehr dankbar sind für eine solche Chance und die Loyalität gegenüber dem Unternehmen wächst.
Digitalisierung: Fluch oder Segen?

Digitale Terminvereinbarung über simplybook.me sowie Kommunikation über Skype ermöglichen eine Zusammenarbeit, wie wenn der Mitarbeitende im Nebenzimmer wäre. Offen bleibt, ob dies ein Vorteil ist, denn selbstständige Mitarbeiter möchten meiner Erfahrung nach einen Auftrag auch von A bis Z durchziehen. Als Chef sollte ich demzufolge eher einen Delegations- oder partizipativen Führungsstil haben, damit sich der Mitarbeiter voll entfalten kann.

Die wichtigsten 7 Erwartungen des Chefs an digitale Nomaden
  • Qualität der erledigten Arbeit, Kritikfähigkeit bei Nachbesserungen
  • Schnelle Antwortzeiten, damit ich als Arbeitgeber den Auftrag umgehend disponieren kann
  • Fixe/klare Preise, die die Zusammenarbeit leicht und bequem machen
  • Gute Verfügbarkeit/Ressourceneinteilung für Disponibilität bei Aufträgen mit grösserem Umfang
  • Termineinhaltung
  • Zuverlässiges und loyales Verhalten gegenüber dem Arbeitgeber
  • Ehrliche Zeitabrechnung
Die 7 wichtigsten Erwartungen von digitalen Nomaden an den Chef
  • Ergebnisorientierte Führung
  • Autonomie und Gestaltungsfreiheit hinsichtlich der Aufgabenerfüllung
  • Geregelte Erreichbarkeit, Respektieren der Zeitverschiebung
  • Klare Regeln in der Zusammenarbeit
  • Ausgeprägtes Vertrauen zu allen Akteuren, speziell zum direkten Vorgesetzten
  • Gutes Wissensmanagement, zum Beispiel mit Tools wie Slack oder Trello
  • Umfassendes Briefing, klare (De-)Briefings
  • Probst Roman
  • Text

Tags: Agilität, Arbeitsmodelle, Digitalisierung, Diversität, Flexiblität, HR, Trends, WorkLifeBalance

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