2/2018

Von der Baustelle in den Kleiderschrank

Das Rohmaterial sind gebrauchte Zementsäcke. Das Produkt ist stylische Mode aus Unikaten – und ein Beitrag zum Umweltschutz in Kambodscha. Das ist Upcycling: Der Schweizer Unternehmer Nicolas Huxley produziert aus kambodschanischem Wegwerfmaterial Einzigartiges für den Schweizer Markt.

Müll, so weit das Auge reicht: Jahr für Jahr landen in Kambodscha vor allem Verpackungsabfälle einfach auf der Strasse, darunter auch massenweise leere Zementsäcke aus Kunststoffgewebe. Während die Touristen nichts denkend darüber stolpern, kam Nicolas Huxley, Gründer und Geschäftsführer von Elephbo , auf einer Reise die Idee für sein nachhaltiges Schweizer Modelabel: stylische Accessoires aus recycelten Zementsäcken.

Zwischen Businessman und Weltverbesserer

Zehn Arbeitsplätze sind in Kambodscha entstanden: Hier werden die leeren Zementsäcke eingesammelt.

Überzeugt von seiner Vision, aus vermeintlichem Müll etwas Neues zu schaffen und durch soziales Unternehmertum etwas Gutes vor Ort zu tun, hängt Nicolas, der ursprünglich BWL studiert hat, 2015 seinen sicheren Beraterjob an den Nagel. Ein paar Flugtickets und zwei Jahre später hat Elephbo nicht nur dauerhafte Beziehungen in Kambodscha aufgebaut, sondern auch Wissen darüber angesammelt, wie Profite effektiv reinvestiert werden müssen.

Die gesunde Mischung aus Businessman und Weltverbesserer macht den grösstmöglichen Effekt für die Arbeit, das Leben und die Umwelt vor Ort möglich. Für seine Idee findet Huxley auch in der Heimat Bestätigung. In einer Crowdfunding-Kampagne überzeugt das Label mit seinen Taschen aus Zementsack und kann so über 34 000 Franken sammeln.

Nachhaltige Unikate

Die Logos der Zementhersteller auf den Säcken eignen sich hervorragend als modische Blickfänger.

Das Resultat lässt sich mehr als sehen. Die Zementsäcke sind aufgrund des Kunststoffgewebes nicht nur extrem robust und leicht, sondern stechen mit den farbenfrohen Logos der Zementfabriken sofort ins Auge. In Kombination mit handverlesenen Materialien entstehen aus den Zementsäcken hochwertige Unikate mit Mehrwert. «Was uns ganz klar von ähnlichen Konzepten abhebt, ist die hochwertige Verarbeitung der Produkte», so Nicolas, der jedes Produkt persönlich designt.

Als leidenschaftlicher Weltenbummler legt er nicht nur Wert auf ein aussergewöhnliches Design, sondern auch auf die Funktionalität seiner Produkte. Seine Inspirationen? Sowohl die funktionale Schweizer Einfachheit als auch die kambodschanische Lebendigkeit. Genau diese Liebe zum Detail bei traditionellem Handwerk und extravagantem Design macht Elephbos Produkte zu etwas Besonderem. Von Weekendern und Rucksäcken über Caps bis hin zu Sneakers – das Zürcher Startup kreiert feinsinnige Produkte, die jedem Outfit das gewisse Etwas verleihen.

Nicht nur die handverlesenen Materialien, sondern auch die ausgewählten Partner in Europa und Asien müssen den hohen Qualitäts- und Fairtrade-Ansprüchen des Labels gerecht werden. Zusammengearbeitet wird nur mit Traditionsunternehmen, die diese Ansprüche erfüllen und regelmässig von externen Firmen auf faire Arbeitsbedingungen kontrolliert werden. Im Gegensatz zu vielen Fast-Fashion-Unternehmen ist und bleibt Transparenz oberste Priorität, damit jeder Kunde auch weiss, wie sein neues Lieblingsstück hergestellt wurde.

Auch Nicolas musste besonders in der Anfangszeit lernen, dass nicht immer alles glatt laufen kann. «Die simplen Probleme, welche man im Arbeitsalltag antrifft, wenn man in Entwicklungsländern unterwegs ist, haben uns am meisten zu schaffen gemacht», gibt er zu. Vor allem die Kommunikation mit seinen kambodschanischen Mitarbeitern erwies sich aufgrund der Sprachbarriere als schwierig. Aber wegen solcher Hindernisse alles hinschmeissen? Nicht bei Nicolas, der darin keine unüberbrückbare Hürde, sondern eine Herausforderung sieht.

Sharing is caring

Seit der Gründung vor drei Jahren hat Elephbo nicht nur den Markt für nachhaltige Mode auf den Kopf gestellt, sondern auch vor Ort in Kambodscha viel bewirkt. Mehr als 25 000 Zementsäcke wurden recycelt und zehn neue Arbeitsplätze für Personen in Not geschaffen: «Genau diese Erfolge motivieren uns, weiterzumachen, und bekräftigen unsere Vision», erzählt der Gründer. Das soziale Engagement vor Ort liegt dem Zürcher Modelabel besonders am Herzen, es arbeitet deshalb mit lokalen NGOs bereits an neuen Projekten.

Doch da ist lange noch nicht Schluss. Das Team von Elephbo arbeitet kontinuierlich an innovativen Veränderungen seiner Produkte – und an noch nachhaltigeren Herstellungsmethoden. Für die neuste Kollektion wurde eine eigens entwickelte Laminierungstechnik eingeführt, welche die Accessoires aus Zementsack in allen Wetter- und Lebenslagen noch widerstandsfähiger macht. Auch auf Leder wurde bestmöglich verzichtet, indem alle neuen Rucksäcke und Taschen aus veganem Leder hergestellt sind.

Getrieben von der Mission, die heutige Modeindustrie nachhaltiger zu gestalten und sich ganzheitlich für bessere Bedingungen einzusetzen, arbeitet Elephbo derzeit an einer Länderkollektion mit rezyklierten Zementsäcken aus Ruanda, Benin und Zimbabwe. Dazu wurden auch schon erste Tests erfolgreich umgesetzt, in denen sich das Label in komplett neue Bereiche begibt mit der Produktion von Möbeln wie Schreibtischen oder Barstühlen, natürlich ebenfalls aus dem Rohstoff Zementsack.

  • Rebecca Neumayr
  • Text

Tags: Lifestyle, Nachhaltigkeit, Trends

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