4/2018

Pragmatische Führung

Es ist nie zu spät, seinen Traum zu verwirklichen! Nach einer facettenreichen Karriere, angefangen mit dem Studium der Chemie bis hin zur Informatik, von der Supply-Chain-Managerin zur Dozentin hat Aline Bovier Ende 2016 im Alter von 47 Jahren am Flughafen von Sion das Kommando übernommen. Ein Interview ohne Fallschirm mit einer Frau, die begeistert von Flugzeugen spricht und sich mit Mut und Aufgeschlossenheit für Veränderungen einsetzt.

Sie haben die Pilotenlizenz erworben. Leitet man einen Flughafen so, wie man ein Flugzeug fliegt?

In beiden Fällen muss man auf unvorhergesehene Situationen vorbereitet sein. Im Flugzeug ist man wechselhaften Witterungsverhältnissen ausgesetzt und muss sich permanent anpassen. Es kann zu technischen Problemen oder Engpässen auf dem Flughafen kommen, sodass man als Pilot auf einen anderen Flughafen ausweichen muss.

Einen Flughafen zu leiten ist genauso: Man muss immer einen Plan B oder einen Plan C im Ärmel haben, um auf alles vorbereitet zu sein. Diese flexible Art, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, versuche ich an meine Teams weiterzugeben.

Gibt es einen «schweizerischen» Führungsstil?

Der Führungsstil in der Schweiz hat keine festgelegte Form und entspricht keinem Stereotyp und das ist sehr gut so. Sich nicht auf etwas zu versteifen und keine vorgegebenen Muster zu erfüllen, erlaubt uns, viel beweglicher zu sein, was Entscheidungen angeht und die Mittel, die wir uns geben, um vorwärtszukommen.

Welche Besonderheiten des Schweizer Systems sollten bewahrt werden?

In der Schweiz gibt es – unabhängig vom gewählten Beruf – diverse Möglichkeiten, sich umzuorientieren, sodass wir im Gegensatz zu manchen anderen Ländern nicht in einem geschlossenen System sind. Ein junger Mensch, der mit 16 Jahren eine berufliche Laufbahn wählt, muss sich umentscheiden dürfen und mit den neu gewonnenen Erkenntnissen mitwachsen. Und genau diese Möglichkeit, sich umzuorientieren, wird viele neue Kompetenzen ans Licht bringen. Und sie motiviert einen dazu, sich zu trauen, etwas auszuprobieren ohne Angst, sich dabei für immer festlegen zu müssen. In der Schweiz ist so etwas möglich. Diese geniale Eigenheit unseres Landes hat mir eine breit gefächerte Karriere ermöglicht und dazu geführt, dass ich heute eine Frau bin, die ihr ganzes Potenzial ausschöpft.

Zu dieser typisch schweizerischen Besonderheit gehört auch die Offenheit gegenüber anderen. Wir haben die grosse Chance, ein multikulturelles Land zu sein. Alle Talente, die etwas zu einem Projekt beitragen können, werden hier miteinbezogen. Die Abschlussnote und Ausbildung sind weniger wichtig – wer man ist und was man weiss, zählt mehr als der Lebenslauf.

Welchen Rat hätten Sie gerne vor 20 Jahren gehört?

Zieh dich nicht in dein Schneckenhaus zurück und steh dir nicht selbst im Weg!

Alles ist möglich, man muss nur die Augen aufmachen.

«Leadership – The Swiss Way» ist der Titel der Jubiläumsaktion zu 125 Jahren SKO. Weitere Porträts von Schweizer Führungspersönlichkeiten finden Sie auf www.swissleaders.org

  • Max Riché
  • Fotografie

Tags: Interview, Leadership, Lifestyle, Zeitmanagement

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